Standpunkte

 

Zum Bundestagswahlkampf 2017

Am 30. Juni endet die letzte Sitzungswoche des 18. Bundestags; die Abgeordneten werden nach der Parlamentarischen Sommerpause planmäßig noch einmal am 4. und 5. September zu Sitzungen in Berlin zusammenkommen. Das Hauptaugenmerk der Parteien gilt aber schon jetzt dem Bundestagswahlkampf. Aus diesem Anlass fasst ZAW-Präsident Andreas F. Schubert in seinen Standpunkten wichtige Positionen und Erwartungen des Dachverbands der deutschen Werbewirtschaft an die Politik zusammen.


Andreas F. Schubert, Präsident ZAW 
Andreas F. Schubert, Präsident ZAW

Für Wachstum und Medienvielfalt

Werbung schafft Wohlstand! Das lässt sich für 2016 auf Basis der DIW-Econ-Studie „Die ökonomische Bedeutung der Werbung“ quantifizieren: Die im vergangenen Jahr um ein Prozent höheren Werbeinvestitionen in Deutschland führten unmittelbar zu einem um mehr als 1,2 Mrd. Euro höheren Bruttoinlandsprodukt. Das ist ein signifikanter Wachstumsimpuls, der die Bedeutung einer liberalen Werberegulierung einmal mehr verdeutlicht.

In der zu Ende gehenden Legislaturperiode des Bundestags war kommerzielle Kommunikation zwar immer wieder ein Thema auf der politischen Agenda, in Deutschland wie auf EU-Ebene. Doch leider ging es dabei stets um Restriktionen, nie um Liberalisierung – trotz des wissenschaftlich-empirisch belegten Wachstumsimpulses der Werbewirtschaft und obwohl sie der größte Sektor der Medien-, Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland ist. Mindestens 45 Mrd. Euro werden jährlich in mediale Werbung und andere Formen kommerzieller Kommunikation investiert.

Von der interventionistischen Werbepolitik abzurücken, ist daher der dringende Appell der Werbewirtschaft und ihres Spitzenverbands an die Parteien im Bundestagswahlkampf: Eine staatliche Regulierung von Märkten und Marktkommunikation im Verbotsmodus stärkt weder Wohlstand und Wachstum noch Innovationen. Sie bevormundet die Menschen, statt sie zu informierten Entscheidungen zu befähigen. Staatliche Werberegulierung muss so gestaltet werden, dass sie hinreichend Verbraucherschutz bietet, nicht zu Wettbewerbsnachteilen für die Unternehmen führt und die Freiräume für die Weiterentwicklung der Wirtschaft bewahrt. So wird auch einem Kernelement der sozialen Marktwirtschaft Rechnung getragen: der Eigenverantwortung aller Marktbeteiligten.

Da die Werbewirtschaft den Markt als Regulativ anerkennt, das zum besten Ausgleich von Angebot und Nachfrage führt, spricht sie sich ausdrücklich für einen Wettbewerb mit fairen und definierten Spielregeln aus. Und dieser Wettbewerb braucht Werbung, denn ohne sie würde die Gesellschaft nichts erfahren über Produktinnovationen, über die Produktqualität, über ein sachgerechtes Preisniveau und müsste auf die wohlstandsbildenden Wirkungen der Werbung verzichten.

Zudem garantiert Werbung die Existenz und Weiterentwicklung der Medien als eine wichtige Säule der demokratischen Grundordnung. Mehr als 15 Mrd. Euro Netto-Werbeeinnahmen der Medien jährlich machen deutlich: Die Zukunft der Medien ist auch ihre Zukunft als Werbeträger. Für eine unabhängige, sich selbst finanzierende Medienstruktur ist Werbung unverzichtbar. Jede Beschränkung der Werbemöglichkeiten, unabhängig von der betroffenen Branche, hat immer auch finanzielle Auswirkungen auf die Medien und bedeutet eine Beschränkung der Meinungsvielfalt in Deutschland.

Andreas F. Schubert, Präsident ZAW

Neue Standpunkte auf zaw.de im September 2017.