Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter e.V. (BVDA)

Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) vertritt als politische Spitzenorganisation die Interessen der Anzeigenblattverlage in Deutschland. Dem Verband gehören 181 Verlage mit 635 Titeln und einer Wochenauflage von 48,4 Mio. Exemplaren an. Damit repräsentiert der BVDA rund 75 Prozent der Gesamtauflage.

Bitte skizzieren Sie die Auswirkungen der Corona-Krise auf die kommerzielle Kommunikation Ihrer Branche in 2020 und Ihre Vorausschau diesbezüglich für 2021
Das „Corona-Jahr“ 2020 hat vor allem eines gezeigt: Wie wichtig die Vielfalt der lokalen Medienberichterstattung ist. Die Welt hat in den vergangenen zwölf Monaten erlebt, wozu digitale Blasen und Fake News führen, nämlich zu starker Verunsicherung der Menschen in einer historischen Krise sowie zu besorgniserregendem Aufwind von Verschwörungstheoretikern und rechten Populisten. Insofern wurden folgerichtig auch die lokalen Anzeigenblätter mit ihrer einzigartigen Reichweite von Bundes- und Landesbehörden als systemrelevant eingestuft.
Als Medienbranche unterstützen die Anzeigenblattverlage Bund und Länder seit dem Ausbruch der Pandemie darin, diese schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Die rund 349 Verlage tun mit ihren etwa 10.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie den rund 200.000 Zustellerinnen und Zustellern seither alles, um ihren Beitrag zu leisten. So wurden in der Corona-Krise wichtige Informationen zu Nachbarschaftshilfen und behördlichen Anordnungen von Landkreisen und Kommunen nahezu flächendeckend durch Anzeigenblätter übermittelt. Und das trotz dramatischer Umsatzeinbußen von zwischenzeitlich bis zu 70 Prozent.
Als rein werbefinanzierte lokale Presseprodukte sind Anzeigenblätter indirekt von den Auswirkungen der Corona-Beschränkungen betroffen – und zwar in erheblichem Maße. Bereits im Frühjahr 2020 sahen sich die Anzeigenblätter mit einer Stornierungswelle ihrer Werbekunden konfrontiert. Werbeerlöse sind die einzige Einnahmequelle für kostenlose Wochenzeitungen und können nicht durch andere Einnahmen kompensiert werden. Die Stornierungen hatten zur Folge, dass 40 Prozent aller Anzeigenblatttitel, die zur Wochenmitte erscheinen, zumindest temporär eingestellt werden mussten. Davon hat es eine Reihe von Titeln nicht wieder zurück an den Markt geschafft, was einen herben Verlust für die Vielfalt der lokalen Presselandschaft in Deutschland bedeutet.

Welche zentrale Erwartung oder Forderung haben Sie in puncto kommerzielle Kommunikation an die neue Bundesregierung?
Die Politik hat es in der Hand, dem Titelsterben im Lokaljournalismus etwas entgegen zu setzen. Dies betrifft neben einer Anpassung der Corona-Konjunkturhilfen auch eine schnelle Umsetzung der schon seit Jahren diskutierten Presseförderung. Diese dringend notwendige Hilfe wurde immer wieder verschoben und modifiziert. Über die nun geplante Förderung der digitalen Transformation von Abo-Tageszeitungen, Abo-Zeitschriften und Anzeigenblättern muss ein angemessener Anteil an Zuschüssen für Zustellkosten für Anzeigenblätter in die Förderrichtlinie integriert werden.
Zudem erwarten wir von der Politik, dass sie der systemrelevanten Mediengattung keine weiteren Stolpersteine in den Weg legt. Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit sind enorm wichtig, dürfen aber nicht für Symbolpolitik instrumentalisiert werden. Die lokale Berichterstattung der Anzeigenblätter muss auch weiterhin flächendeckend möglich sein, um ihre Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und bei der demokratischen Meinungsbildung erfüllen zu können.

Stand: Februar 2021

Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter e.V.

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