Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V.

Als Spitzenorganisation der Zeitungen und ihrer digitalen Tochterunternehmen in Deutschland steht der BDZV für die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit der Zeitungen und einen angemessenen Wettbewerb.

Bitte skizzieren Sie die Auswirkungen der Corona-Krise auf die kommerzielle Kommunikation Ihrer Branche in 2020 und Ihre Vorausschau diesbezüglich für 2021
2020 haben die Zeitungen durchschnittlich 20 Prozent ihrer Werbeeinnahmen pandemiebedingt verloren, unter anderem weil kulturelle, sportliche, gesellschaftliche Veranstaltungen und Termine nicht stattfinden konnten, für die sonst in Print und digital geworben worden wäre. Während des ersten „Lockdowns“ im März und April 2020 fielen die Befürchtungen und Prognosen allerdings noch deutlich schlimmer aus. Werbe- und Informationsmaßnahmen der Regierungen in Bund und Ländern rund um COVID-19 waren für die Verlage hilfreich.
Einnahmen aus Anzeigen und Werbung sind ein wichtiges Standbein für die Finanzierung von Zeitungen und ihren digitalen Marken. Gleichwohl sinkt der Anteil der Werbeeinnahmen am Gesamtumsatz stetig und liegt inzwischen bei nurmehr 25 Prozent.
Die Verlagsunternehmen erwarten für 2021 eine Verminderung der Werbeeinnahmen um etwa fünf Prozent. Hierbei ist die Annahme eingeschlossen, dass die Impfkampagne wirkt und das Alltagsleben ab dem Frühsommer wieder an Fahrt gewinnt. Dabei herrscht Übereinstimmung, dass das Werbegeschäft sich als Folge von COVID-19 weiter verändern wird und nicht zur Gänze in der alten Form zurückkehrt.

Welche zentrale Erwartung oder Forderung haben Sie in puncto kommerzielle Kommunikation an die neue Bundesregierung?
Digitale Supermonopole beherrschen in weiten Teilen den Markt der kommerziellen Kommunikation im Netz. Nach der Neufassung des GWB werden weitere Schritte zu prüfen sein, wie im Bereich digitaler Plattformen und Aggregatoren Vielfalt hergestellt werden kann. So etwa durch Verpflichtung der Gatekeeper-Plattformen, ihre Algorithmen und Datenressourcen Dritten zur Nutzung auf eigene Rechnung gegen Lizenz zur Verfügung zu stellen. Besorgniserregend ist, dass der Digital Markets Act der EU-Kommission im Entwurf bisher hinter den bestehenden deutschen Regeln zurückbleibt. Die neue Bundesregierung muss hier für wirksamere Regeln eintreten.
Auch beim Datenschutz drohen mit der E-Privacy-Verordnung Regelungen, die Geschäftsmodelle der Gatekeeper-Plattformen kaum berühren, während kleineren Anbietern massive Beschränkungen bei der Verbraucherkommunikation aufgebürdet werden. Hier ist eine sehr grundsätzliche Diskussion über Datennutzung, mögliche Pflichten zur Datenteilung und Restriktionen gerade für die Gatekeeper notwendig.
Staatliche Medien- und Werbeangebote von Kommunen, Ländern und Bund dürfen privatfinanzierte Anbieter im Markt nicht weiter behindern. Hierzu sind deutlich klarere Regelungen und ein Beachten der Rechtsprechung durch staatliche Entscheidungsträger von Bedeutung. Staatliche Verbote oder Inhaltevorgaben bei der kommerziellen Kommunikation für legal hergestellte und vertriebene Produkte müssen unterbleiben. Staatliche Behinderungen des Vertriebs von Presseprodukten auf Landesebene dürfen nicht weiterverfolgt werden und müssen auf Bundesebene unterbleiben.
Wir brauchen eine erneute Debatte über die Sicherung der Infrastruktur der Zustellung von Presseprodukten. Für viele Menschen, die digitale Medien nicht nutzen können oder wollen, wird anderenfalls eine zentrale Möglichkeit gesellschaftlicher Teilhabe verloren gehen.

Stand: Februar 2021

Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V.

Haus der Presse
Markgrafenstraße 15
10969 Berlin
Telefon 030 726298-211/-212
www.bdzv.de
bdzv@bdzv.de