Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. ist die zentrale Interessenvertretung für Unternehmen, die digitale Geschäftsmodelle betreiben oder deren Wertschöpfung auf dem Einsatz digitaler Technologien beruht.

Bitte skizzieren Sie die Auswirkungen der Corona-Krise auf die kommerzielle Kommunikation Ihrer Branche in 2020 und Ihre Vorausschau diesbezüglich für 2021
Die Corona-Krise hatte 2020 starke Auswirkungen auf die kommerzielle Kommunikation: So legten Marketingexperten ihren Fokus besonders darauf, den positiven Einfluss einer Marke aktiv nach außen zu kommunizieren. Vertrauen in die Marke, Dienstleistung oder das Produkt aufzubauen, war in diesem Jahr wichtiger denn je. Das Erfolgsrezept lautete: eigenes Engagement in der Krise positiv mit der Marke zu verbinden.
So unterstützten beispielsweise verschiedene Unternehmen bei der Produktion von Desinfektionsmitteln. Verkehrsbetriebe boten Ärzten und Pflegern kostenlose Mitfahrmöglichkeiten an. Diese Aktionen dienten dem guten Zweck und warfen zugleich ein positives Licht auf die Marken.
Gerade in Krisenzeiten ist kommerzielle Kommunikation ein Drahtseilakt. Wenn die Tonalität nicht passt, kann das gut gemeinte Engagement auch negativ auf die Marke abstrahlen.
2021 wird ebenfalls stark von der Corona-Krise geprägt sein. Tendenziell werden wohl die Marken gut durch die Krise kommen, denen es gelingt, glaubwürdig zu bleiben oder die eine Möglichkeit bieten, dem von Corona geprägten Alltag zu entfliehen.

Welche zentrale Erwartung oder Forderung haben Sie in puncto kommerzielle Kommunikation an die neue Bundesregierung?
Das Jahr 2020 brachte politisch und regulatorisch tiefgreifende Veränderungen für die Digitale Wirtschaft. Dies gilt besonders für die Werbewirtschaft. Das „Planet49“-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) hatte beispielsweise zur Folge, dass für den Gebrauch von Cookies zur Erstellung von Nutzerprofilen eine Einwilligung des Nutzers erforderlich ist.
2020 haben sich auf nationaler sowie europäischer Ebene weitere Debatten zum Thema Einwilligung zu Cookies sowie zur generellen Zukunft der Digitalen Wirtschaft entwickelt. Wir bewegen uns aktuell in einem Spannungsfeld zwischen den verschiedenen regulatorischen Initiativen der Bundesregierung (z.B. TTDSG) und der Europäischen Kommission (z.B. E-Privacy, Digital Services Act/Digital Markets Act). Zudem gibt es parallel noch eigene Standardisierungsinitiativen der Wirtschaft. Der BVDW ist 2020 dem W3C (Word Wide Web Consortium) beigetreten und engagiert sich im Rahmen des Project Rearc des IAB Tech Lab.
Für den BVDW steht fest: Wir brauchen einen einfachen und handhabbaren Datenschutz. Dieser ermöglicht Unternehmen der Digitalen Wirtschaft eine datenschutzkonforme Ausgestaltung der Prozesse. Wir müssen zudem als Branche noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, was mit Daten überhaupt passiert und wie die Systeme des Online-Advertisings funktionieren. Für die Zukunft muss das Thema Datenschutz mit dem Themenkomplex Datensicherheit und Digitale Souveränität gepaart werden. Der BVDW sieht schon seit langem die Diskussionen um Personal Information Management Systems (PIMS) und Digitale Identitäten als entscheidend für die Digitale Souveränität Europas an. 2021 brauchen wir eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft. Die neue Bundesregierung muss sinnvolle Prioritäten setzen, um die Digitale Wirtschaft weiter voranzubringen.

Stand: Februar 2021

Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Schumannstraße  2
10117 Berlin
Telefon 030 2062186-0
www.bvdw.org
info@bvdw.org