[vdav] – Verband Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien e.V.

Verzeichnismedien, die Protagonisten der lokalen Suche, sind auch 2020 unverzichtbar für Werbetreibende und Nutzer.

Bitte skizzieren Sie die Auswirkungen der Corona-Krise auf die kommerzielle Kommunikation Ihrer Branche in 2020 und Ihre Vorausschau diesbezüglich für 2021
Die Kernzielgruppe der [vdav]-Mitgliedsunternehmen, KMU jeglicher Couleur, freie Berufe, Restaurants, die vielzitierten Friseure und das Handwerk, treffen die Auswirkungen der Corona-Krise in weiten Teilen besonders hart. Wochenlange Schließungen, kaum oder gar kein Kundenkontakt, Kurzarbeit, massive Umsatzverluste, Existenzängste und Zukunftssorgen beschäftigen diese Klientel ganz besonders. Einzig das Handwerk scheint sich der Krise mit vollen Auftragsbüchern entziehen zu können. Für die Klassiker des lokalen Findens Gefahr, aber auch Chance zugleich. Gefahr, weil notwendige antizyklische Werbe-Investitionen aufgrund der Situation nicht planbar oder schlicht nicht finanzierbar sind, Chance aber auch, weil die Bereitschaft, sich mit neuen digitalen Angeboten – von Bewertungen über Reservierungssystemen bis zu Shoplösungen – zu beschäftigen, steigt und zudem Zeit für die notwendige Beratung vorhanden ist. Gerade der lokale Einzelhandel, bislang nicht unbedingt Kern-Zielgruppe, wird verstärkt angesprochen und auf die Chancen in der Krise aufmerksam gemacht. Die Vielfältigkeit der lokalen Wirtschaft macht es auch für die Media-Berater vor Ort immer notwendiger, branchenspezifische, aber auch ganz individuell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene Angebote zu erstellen. Positiv bemerkbar macht sich hier das oft über einen langen Zeitraum der Zusammenarbeit entstandene Vertrauensverhältnis.

Welche zentrale Erwartung oder Forderung haben Sie in puncto kommerzielle Kommunikation an die neue Bundesregierung?
Mit der Novellierung des Telekommunikationsgesetzes und den neuen Vorschriften des TKModG und des TTDSG werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für Teilnehmerverzeichnisse derzeit neu definiert. Wie die vorliegenden Entwürfe erkennen lassen, leider erneut nicht im Sinne eines level playingfields mit den local search- und Werbe-Angeboten der OTT, sondern mit weiteren Einschränkungen für die Teilnehmerverzeichnisse, die bereits stark reglementierten Protagonisten der lokalen Suche. Streichung als Universaldienstleistung, Beschränkung der von Carriern zur Verfügung zu stellenden Daten auf reine nummern-basierte Telekommunikations-Anschlüsse – demgegenüber die Ankündigung des marktbeherrschenden Suchmaschinenbetreibers, mal eben die rund 40 Prozent der Webpräsenzen von KMU und Handwerk auszusperren, die der neuen Anforderung „mobile only“ nicht entsprechen. Ein jederzeit nach eigenem Gutdünken die Regeln des Gefundenwerdens verändernder marktbeherrschender Suchmaschinenbetreiber wird von der Politik als legitimer Nachfolger der Teilnehmerverzeichnisse betrachtet, die jeden listen, der dies möchte und zum Finden nur einen einzigen unabänderliche Algorithmus, das Alphabet, nutzen. Der eine bleibt vollkommen unreguliert und zahlt nicht einmal Steuern, der andere wird weiter reglementiert, mit ihm die Nutzer, insbesondere die, die immer noch keine ausreichende digitale Infrastruktur nutzen können. Dazu mit WhatsApp und Clubhouse Player, die allein über die eigenen AGB mal eben die Inhalte der internen Kontaktinformationen aus den Smartphones der Nutzer saugen. Datenschutzrechtliche Regelungen, die gerade in Zeiten der Corona-Krise ihre ganze Absurdität zeigen – Behörden müssen Adressen aus dem Bestand der Post kaufen, statt auf zuverlässige Daten der Meldebehörden zurückgreifen zu dürfen, während auf der anderen Seite gerade das gute alte Telefonbuch zur Kontakt-Nachverfolgung genutzt werden muss, sich die Nutzer aber beschweren, dass die dort aufgeführten Kontakte so unvollständig sind. Nicht weitere Einschränkungen, sondern klare, moderne, für alle Marktteilnehmer geltende Rahmenbedingungen sind für Deutschland notwendiger als je zuvor.

Stand: Februar 2021

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