Lebensmittelwerbung gegenüber Kindern: Podiumsdiskussion auf dem Lebensmittelrechtstag und ZAW-Elternbefragung

Lebensmittelwerbung gegenüber Kindern: Podiumsdiskussion auf dem Lebensmittelrechtstag und ZAW-Elternbefragung

Auf dem Abschlusspodium des 34. Deutschen Lebensmittelrechtstags diskutierte ZAW-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernd Nauen die Bewerbung von Lebensmitteln gegenüber Kindern mit VZBV-Vorstand Klaus Müller. Dr. Nauen betonte zunächst den gesamtgesellschaftlichen Wert der Werbung. Sie erzeuge Public Value, denn sie finanziere mediale Angebote, die Information, Meinungsbildung und öffentlichen Diskurs erst ermöglichen. Zudem eröffne sie als Bindeglied zwischen Unternehmen, Produkten und Marken auf der einen und Verbrauchern auf der anderen Seite den Markt und sorge für den Wettbewerb, der Innovationen und Wachstum erst ermögliche. Durch Werbung würden Marktanteile verteidigt oder Konsumenten von Konkurrenzmarken abgezogen.

Klaus Müller forderte, dass Lebensmittel, die nicht den Nährwertkriterien der Weltgesundheitsorganisation für Zucker, Fett und Salz entsprächen, nicht an Kinder vermarktet werden sollten. Werbung hätte einen wesentlichen Einfluss, bei der Entwicklung von kindlichem Übergewicht.

Dr. Nauen betonte die besondere Schutzbedürftigkeit von Kindern, der die Werbewirtschaft mit den Verhaltensregeln des Deutschen Werberats Rechnung trage. Die Regeln wurden zum 1. Juni erheblich ausgeweitet, um der veränderten Mediennutzung von Kindern und jüngeren Jugendlichen gerecht zu werden und sie bestmöglich zu schützen. Denn genauso wie Kinder Ernährungskompetenz lernen müssten, müssten sie auch Medien- und Werbekompetenz erlernen, erklärte Dr. Nauen.

Mit Blick auf Müllers Forderungen nach einem Werbeverbot für Lebensmitteln gegenüber Kindern richtete Dr. Nauen den Blick in Länder, in denen solche Verbote installiert sind. Dort zeige sich, dass Werbeverbote Kinder weder schlanker noch gesünder machten. Auf die Übergewichtslagen hätten sie keinen Einfluss. Müller hingegen konnte in Verlauf der Diskussion keine Belege für die Wirksamkeit von Werbeverboten liefern, daher erteilte Dr. Nauen seinen Forderungen auch eine klare Absage.

ZAW-Elternbefragung: elterliche Vorbildfunktion sowie Bewegung und Bildung als Hauptfaktoren bei kindlichem Übergewicht

Eltern sind der gleichen Ansicht, wie eine repräsentative Befragung im Auftrag des ZAW zeigte. Die Ursachen für Übergewicht sind zu vielfältig – Werbung ist nach Elterneinschätzung mit Abstand der unbedeutendste Faktor für Übergewicht bei Kindern. Für die Mehrheit ist der Umgang mit Ernährung im Elternhaus (Einkauf, Kochen, Mahlzeiten) der bestimmende Aspekt dafür, dass Kinder übergewichtig sind. Für 80 Prozent der Eltern spielt dies eine „sehr große“ oder eine „eher große Rolle“. Die wichtigsten Handlungsfelder, um kindliches Übergewicht zu bekämpfen, sind nach der Elternbefragung der Umgang mit Ernährung zu Hause bzw. das elterliche (Vorbild-)Verhalten. Mangelndes elterliches Ernährungswissen bzw. zu wenig Bewegung und zu wenig Schulsport folgen hiernach als weitere Top-Nennungen.

Somit war auch der Appell bei der Podiumsdiskussion gesetzt: Ein Mix aus Aufklärung, Vermittlung von Ernährungskompetenz, mehr Angeboten für bzw. Förderung von Bewegung und eine Verbesserung der Situation bei Kita- und Schulessen sind die entscheidenden Hebel im Umgang mit kindlichem Übergewicht. Werbeverbote sind der falsche Weg.