Umwelt und Nachhaltigkeit
Die geplante EU-Richtlinie über Umweltaussagen (Green Claims Directive) ist politisch gescheitert: Unter den Mitgliedstaaten bestand im Dezember 2025 kein Konsens, sodass eine Fortsetzung des Trilogs derzeit nicht zu erwarten ist. Zudem wird aktuell mit der 3. UWG-Novelle die EmpCo-Richtlinie ins deutsche Recht umgesetzt und regelt nun verbindlich, dass Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel auf anerkannten, überprüfbaren Kriterien beruhen.
Richtlinie über Umweltaussagen
Der Trilog zur Richtlinie über Umweltaussagen ist de facto gescheitert. Im Rahmen der dänischen Ratspräsidentschaft im Dezember 2025 stellte Dänemark fest, dass unter den Mitgliedstaaten derzeit kein Konsens im Rat besteht. Offiziell wurde der Richtlinienentwurf von der Kommission nicht zurückgezogen, ihre Umsetzung erscheint jedoch aktuell nicht realistisch.
Die Werbewirtschaft unterstützt weiterhin grundsätzlich das Ziel, Transparenz herzustellen und Verbraucher vor Irreführung zu schützen, kritisierte jedoch immer die geplante Vorabprüfung sämtlicher umweltbezogener Aussagen als zu bürokratisch und wirtschaftlich belastend. Die Vorabprüfung hätte Unternehmen keine vollständige Rechtssicherheit geboten, da weiterhin unterschiedliche Auslegungen durch Behörden, Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände möglich gewesen wären. Der ZAW hat wiederholt auf diese Risiken hingewiesen und betont, dass klare, praktikable und rechtssichere Regeln notwendig sind. Die politische Lage lässt derzeit jedoch erwarten, dass die Green Claims Directive nicht wieder aufgegriffen wird.
Dritte UWG-Novelle
Die Empowering Consumers Directive (EmpCo-Richtlinie, EU 2024/825) wurde im Dezember 2025 durch den Deutschen Bundestag im Rahmen des Dritten Gesetzes zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) beschlossen und danach vom Bundesrat gebilligt; das Gesetz wurde im Bundesgesetzblatt verkündet und wird zum 27. September 2026 in Kraft treten.
Der ZAW begrüßt, dass die Novelle im Kern eine 1:1-Umsetzung der europäischen Vorgaben vorsieht. Kritikpunkte bestehen allerdings weiterhin, z.B. bei der teilweise erweiterten Anwendbarkeit auf Business-to-Business-Verhältnisse, obwohl die europäischen Vorgaben auf Business-to-Consumer-Kommunikation beschränkt sind. Die Werbewirtschaft hat sich aktiv an der offiziellen Verbändeanhörung beteiligt, um eine praxisgerechte Auslegung sicherzustellen. Unternehmen müssen künftig nachweisen können, dass ihre Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel auf anerkannten, überprüfbaren Kriterien basieren und für Verbraucher nachvollziehbar sind, beispielsweise bei Energieverbrauch, Recyclinganteilen oder CO2-Emissionen.
Pkw-Energiekennzeichnung
Auf europäischer Ebene hat die Europäische Kommission im Dezember 2025 einen Legislativvorschlag zur Neuregelung der Pkw-Energie-Kennzeichnung vorgelegt. Vorgesehen ist, die bisherige Richtlinie 1999/94/EG aufzuheben und durch eine unmittelbar geltende Verordnung zu ersetzen. Der Vorschlag enthält erstmals verpflichtende grafische Energiekennzeichnungselemente für die Fahrzeugwerbung. Hersteller und Händler sollen künftig sicherstellen, dass in sämtlichen Werbematerialien – auch online – ein standardisiertes Energielabel mit CO2-Klassen dargestellt wird; für Internetwerbung ist alternativ eine vereinfachte „Class-Arrow“-Darstellung vorgesehen.
Aus Sicht der Werbewirtschaft würde dies einen Systemwechsel darstellen: Während bislang überwiegend textliche Angaben zu Energieverbrauch und Emissionen erforderlich sind, könnten künftig bildhafte Kennzeichnungselemente verpflichtend werden. Dies wirft praktische Fragen etwa bei kleinen Werbeformaten sowie hinsichtlich der technischen und gestalterischen Umsetzbarkeit der Kennzeichnungspflichten auf. Der ZAW wird sich auf europäischer Ebene deutlich gegen verpflichtende Energiekennzeichnungslabel in der Werbung einsetzen.

Greenhushing – kein Schreckgespenst, sondern eine reale Gefahr
Im März 2023 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für eine Richtlinie über Umweltangaben (2023/0085 (COD)) vorgestellt. Das Europäische Parlament und der Rat haben ihre Standpunkte in eingenommen und der Trilog steht bevor. Alles weitere zum Thema finden Sie hier.
