DATEN-MISSBRAUCH: Wirtschaft verlangt Realismus
BERLIN (zaw) - Die Wirtschaft warnt vor großen Schäden für Medien, Druckindustrie, Post, Adressunternehmen und Dialogagenturen durch überzogenen Datenschutz. "Die Politik orientiert sich an Kriminellen, die illegal mit Daten handeln. Dieser einseitige Blick aber würde Arbeitsplätze, und Betriebe vernichten, Verbraucher schützende Effekte durch werbenden Wettbewerb behindern und die Versorgung der Kunden mit erwarteten Produkt- und Dienstleistungsinformationen abschalten", sagte ein Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in Berlin. Die Dachorganisation von 42 Verbänden der werbenden Wirtschaft, Medien, Agenturen und Forschung schätzt das politisch bedrohte Umsatzvolumen für die einzelnen Wirtschaftsstufen der Direktwerbung auf 5 Milliarden Euro.
Die Sorge des ZAW gründet sich auf der Ankündigung von Politikern, sie wollten bis Ende November einen Gesetzentwurf vorlegen, nach dem die Bundesbürger ausdrücklich der Weitergabe ihrer Daten wie Anschrift und Alter einwilligen müssen.
Führende Verbände der deutschen Wirtschaft haben sich in einem Schreiben an Politiker mit dem Angebot gewandt, gemeinsam geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Adressgeschäfte über die bereits bestehenden Verbote hinaus zu entwickeln. Grundlage solle "die nötige Balance zwischen den anzuerkennenden Schutzinteressen
der Verbraucher, aber auch den berechtigten Interessen der Wirtschaft" sein, wie es in dem Schreiben heißt.
Vor dem Hintergrund des kürzlich entdeckten Missbrauchs persönlicher Daten plädieren die Verbände für politisches Augenmaß. Kriminelle Machenschaften Einzelner dürften nicht als Begründung dienen, mit fatalen Folgen dramatisch in einen funktionierenden Markt einzugreifen.
Dies wäre der Fall, wenn der Gesetzgeber die Nutzung von Daten für Werbezwecke künftig vom ausdrücklichen Einverständnis des Kunden abhängig machte. Viele Unternehmen wären in Existenz bedrohender Weise von einer solchen Gesetzesänderung betroffen. Ein generelles Einwilligungserfordernis sei kein erfolgreiches Mittel, um kriminellen Datenmissbrauch zu verhindern, so die Verbände.
Nach geltender Rechtslage sei ohnehin nur die Weitergabe so genannter Listendaten mit Adressen oder Produktinteressen zulässig, nicht aber Kontodaten. Auch könne der Betroffene jederzeit der Datennutzung widersprechen.
Koordiniert hat das Verbändeschreiben der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Die weiteren Unterzeichner sind …
Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI)
Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. (BDZV)
Bundesverband DeutscherAnzeigenblätter e.V. (BDVA)
Bundesverband Druck und Medien e.V. (bvdm)
Bundesverband des Deutschen Versandhandels e.V. (bvh)
DDV Deutscher Dialogmarketing Verband e.V.
DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherung e.V.
Hauptverband des Deutschen Einzelhandels e.V. (HDE)
Markenverband e.V.
Verband Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien e.V. (VDAV)
Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V. (VDZ)
Konzept - Design - Entwicklung durch André Letzsch ...